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Prof. Dr. Gianni Vattimo Ordinarius für Theoretische Philosophie in Turin. Studium der Philosophie in Turin bei Luigi Pareyson, Forschung bei H. G. Gadamer und K. Loewith in Heidelberg, unterrichtet an der Universität von Turin (seit 1964), Ordinarius für Theoretische Philosophie in Turin (seit 1982), Gastprofessuren an amerikanischen Universitäten (Yale, Los Angeles, New York University, State University of New York). Mitherausgeber der Zeitung La Stampa, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats zahlreicher Fachzeitschriften (unter anderen der Rivista di estetica) sowie der Accademia delle Scienze in Turin, Ehrentitel etwa von den Universitäten in La Plata (Argentinien 1996) Palermo (1998) und Madrid (2003), gegenwärtig Vizepräsident der Accademia della Latinità und Mitglied im Europäischen Parlament (seit 1999).
Abstrakt Bezüglich der neuen Probleme, die im Zusammenhang mit den Entwicklungen in der Biotechnologie aufgetreten sind, scheinen Philosophen und vor allem Theologen zur traditionellen, essentialistischen Vorstellung der Prinzipien des „Naturrechts“ zurückzukehren. Jedoch hat die moderne und postmoderne Philosophie seit langem die Idee kritisiert, dass Normen auf einer Konzeption der menschlichen Natur basieren sollen und können. Das sogenannte Hume’sche Gesetz, das in der Tat nie so von ihm vorgebracht wurde, hat auf die Unmöglichkeit aufmerksam gemacht, eine Norm von einer Tatsache abzuleiten. Was heutzutage mit einer mehr oder weniger expliziten Rückkehr zum „Naturrecht“ geschieht, ist die Reaktion auf eine Notfallsituation, die Extremlösungen zu verlangen scheint. Analog dazu kann der Verweis auf das „Naturrecht“ angesehen werden, auf dem die Revolutionen gegen die göttliche Gewalt der Monarchen im 18. Jahrhundert gründen. Weder die französische Revolution von 1789 noch die Bemühungen von Philosophen wie Habermas, der versucht, in der menschlichen Natur eine Norm für eine praktikable Bioethik zu gründen, können auf eine starke metaphysische Grundlage verweisen. Die These dieses Vortrages ist, dass es möglich ist, praktikable Normen in diesem Themengebiet in einer antiautoritären Ethik des Dialoges und Konsenses zu finden, die als einzige mit Demokratie und Freiheit im Einklang steht. |
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